Beziehungen: Liebe und Wahrheit


Heinrich Finger ist Leiter der VDM e.V.
Das ist die große Spannung, in der wir unsere Beziehungen leben: den Menschen mit Liebe begegnen, aber gleichzeitig ehrlich miteinander umgehen. Das ist beim Geben wohl einfacher als beim Nehmen. Gott gibt uns in seinem Wort viele Ermahnungen und Ermutigungen für unsere Beziehungen zum Nächsten. Theoretisch ist uns das klar, dass wir den anderen höher achten sollen als uns selbst, dass wir dem anderen mit der gleichen Liebe und Barmherzigkeit begegnen sollen, mit der Gott uns begegnet. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Da fühlen wir uns dem anderen überlegen, nehmen uns und unsere Rechte so wichtig … Jesus hat das weltliche System der Arroganz und des Egoismus auf den Kopf gestellt. Wir sollen nicht über den anderen herrschen, sondern einander dienen.

Zu einer guten Beziehung gehört gute Kommunikation. Dem Nächsten mit Liebe begegnen heißt aber auch ehrlich miteinander reden können. Eine ehrliche Kritik ist in einer Kultur, in der mit Worten offener kommuniziert wird, einfacher auszuhalten als in einer Kultur, in der man indirekt kommuniziert. Das ist eine der Herausforderungen für Beziehungen in einem anderen kulturellen Umfeld, wo man es gewohnt ist, ein delikates Anliegen so gut in Höflichkeit und Zurückhaltung zu verpacken, dass man als Außenstehender am Ende oft gar nicht weiß, worum es eigentlich geht. Je mehr wir es gewohnt sind, selbst Kritik zu hören und sie dann auch noch anzunehmen, desto schwerer fällt es uns, wenn andere das nicht verstehen und Wege gehen, die uns unaufrichtig scheinen.

Anderen die Wahrheit an den Kopf werfen, das ist sicher nicht der Weg, der unsere Beziehungen fördert. Ebenso wenig wie das Gegenteil, bei dem man letztlich nicht zum entscheidenden Punkt kommt. Wenn wir reden, egal auf welche Weise, sollte es in der Liebe geschehen, die das Beste für den Anderen sucht. Da kann es dann schon wichtig sein, Dinge klar anzusprechen, in einer sachlichen Weise, die die Würde des Nächsten wahrt. Da ist Demut gefragt, die sich nicht über ihn erhebt.

Das Wort Gottes steht über den verschiedenen Kulturen und es spricht in jede hinein. Wir sollen das in unserem jeweiligen kulturellen Umfeld leben. Paulus schreibt in Philipper 2:„Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat.“ Die Haltung, die Jesus uns vorgelebt hat, ist eine Haltung, in der Gnade und Wahrheit untrennbar zusammengehören. So können unsere Beziehungen gelingen.

Heinrich Finger

(aus: VDM-Report 3/2014, S. 3; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung)


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